Agentic Commerce Glossar
Die Begriffe, mit denen wir arbeiten, definiert und mit der Seite verlinkt, auf der sie entwickelt werden. Neun Begriffe stammen aus unserer eigenen Arbeit, die übrigen sind Marktbegriffe, die im agentischen Handel gesetzt sind.
Ein Glossar ist kein Nachschlagewerk für Fremdwörter, sondern eine Festlegung. Wer im agentischen Handel Kontrollschicht sagt und Checkout meint, oder Delegation sagt und Stellvertretung meint, verhandelt später über das, was er hätte definieren sollen. Die folgenden Definitionen sind die, mit denen wir in Mandaten arbeiten. Sie stehen im Volltext auf den jeweils verlinkten Seiten.
Kontrollschicht
Die Schicht oberhalb von Zahlarten, Banken und Systemen, in der Identität, Berechtigung, Policy und Audit zusammengeführt werden. Ein Agent handelt in einer Aufgabenschicht: er empfiehlt, bucht, bezahlt. Damit er das darf, braucht es darunter eine Instanz, die entscheidet, welcher Agent überhaupt handeln darf und unter welchen Bedingungen. Wer diese Schicht besetzt, setzt die Regeln. Wer sie nicht besetzt, übernimmt die Regeln eines anderen. Sie liegt nicht im Checkout, denn im Checkout ist jede Entscheidung, die zählt, bereits gefallen.
Delegationskette
Die Folge von Instanzen zwischen dem Menschen, der einen Auftrag erteilt, und der Transaktion, die ausgeführt wird. Jede Instanz reicht eine Berechtigung weiter, die sie selbst erhalten hat: ein Mensch beauftragt einen Agenten, ein Agent beauftragt einen zweiten, am Ende steht eine Zahlung. Solange die Kette nachvollziehbar ist, lässt sich im Streitfall zeigen, worauf eine Erklärung zurückgeht. Bricht sie an einer Stelle, ist die Zurechnung offen. Das europäische Zahlungsrecht verschärft das, weil es Betrag und Zahlungsempfänger im Moment der Autorisierung verlangt.
Willenskorridor
Der Rahmen, den ein Nutzer bei der Konfiguration eines Agenten aufspannt: welche Aufträge der Agent annehmen darf, in welchen Grenzen, mit welchem Betragsrahmen und gegenüber welchen Gegenparteien. Was innerhalb dieses Korridors geschieht, ist die Erklärung des Nutzers, auch wenn er sie im Einzelfall nicht gefasst hat. Was außerhalb geschieht, ist der Fall, über den gestritten wird. Je präziser der Korridor gefasst und je sauberer er versioniert ist, desto belastbarer ist die Zurechnungsgrundlage.
Ersteinrichtung
Der Zeitpunkt, an dem ein Nutzer einen Agenten konfiguriert und damit den Willenskorridor festlegt. Über die Ersteinrichtung wird die Erklärung des Agenten dem Betreiber zugerechnet. Daraus folgt eine unbequeme Verschiebung: Der rechtlich entscheidende Moment ist nicht der Vertragsschluss, sondern die Einrichtung Wochen zuvor. Wer im Streitfall belegen will, wozu der Agent befugt war, muss diesen Zeitpunkt dokumentiert haben und nicht den Moment der Ausführung.
Enrichment-Lücke
Der Abstand zwischen Produktdaten, die vollständig aussehen, und Produktdaten, die eine Maschine bewerten kann. Fragt man zehn Anbieter, was Enrichment bedeutet, erhält man Antworten über Attribute, PIM-Pflege und Verschlagwortung. Ein Agent braucht etwas anderes: nicht die Angabe, was ein Produkt ist, sondern die Grundlage für die Entscheidung, warum es für einen bestimmten Auftrag das richtige ist. Angebote, deren Bedingungen nur in Prosa existieren, werden nicht abgelehnt, sondern gar nicht erst berücksichtigt.
Dark Agentic Traffic
Der Name für die Lücke zwischen dem, was auf einer Website tatsächlich geschieht, und dem, was das Reporting davon abbildet. KI-getriebene Zugriffe erscheinen überwiegend als Direktverkehr oder als Branded Search und sind als eigener Kanal nicht ausgewiesen. Wer Entscheidungen über Kanalbudgets, Inhalte und Konversionsoptimierung auf dieser Grundlage trifft, optimiert systematisch auf unvollständige Signale. Der Befund ist keine Marktlage, sondern eine Attributionslücke.
Autonome Computererklärung
Die tragfähige rechtliche Einordnung der Erklärung eines Agenten. Sie entsteht nicht im Moment der Transaktion. Sie beginnt mit der Ersteinrichtung, in der der Nutzer Grenzen, Präferenzen, Budget und Bedingungen festlegt, und sie vollendet sich, wenn der Agent innerhalb dieses Rahmens ausführt. Rechtlich erklärt damit der Nutzer, technisch erklärt der Agent. Der Begriff ersetzt die Stellvertretung, die für Software nicht trägt.
Autonomiestufen
Sechs Stufen, die beschreiben, wie autonom in einem Markt gekauft wird, von Kaufprozessen ganz ohne digitale Infrastruktur bis zu Beschaffungsketten ohne menschlichen Eingriffspunkt. Jede Stufe existiert bereits in realen Implementierungen. Die Stufe bemisst sich daran, wie viel der Agent entscheiden darf, nicht daran, was er technisch erreichen kann. Der schwierigste Übergang ist nicht der zur höchsten Stufe, sondern der Moment, in dem der Mensch den Abschluss nicht mehr selbst vollzieht.
Stellvertretung
Die naheliegende Einordnung, die gerade nicht anwendbar ist. Stellvertretung nach § 164 BGB setzt eine eigene Willenserklärung des Vertreters im Namen des Vertretenen voraus, und § 165 BGB zeigt, dass dieser Vertreter zumindest beschränkt geschäftsfähig sein muss. Ein Softwareagent ist beides nicht: Er hat keine Rechtspersönlichkeit und er kann nicht selbst wollen. Die Konstruktion bricht, sobald man sie belastet. An ihre Stelle tritt die autonome Computererklärung.
Agentic Commerce
Der Handel, bei dem ein KI-Agent recherchiert, vergleicht und bestellt, ohne dass ein Mensch den letzten Klick setzt. Die Verschiebung betrifft nicht die Oberfläche, sondern die Architektur des Vertriebs: Wer als Anbieter teilnehmen will, muss maschinenlesbar sein, und wer teilnimmt, muss geklärt haben, wem eine agentisch ausgelöste Bestellung zugerechnet wird. Beide Fragen fallen zusammen an und werden in der Praxis getrennt bearbeitet.
MCP, Model Context Protocol
Ein von Anthropic eingeführtes und breit adoptiertes Protokoll für die Verbindung zwischen einem Agenten und den Werkzeugen oder Systemen, die er nutzt. MCP regelt den Zugang, nicht die Befugnis: Es beschreibt, worüber ein Agent etwas erreichen kann, und sagt nichts darüber, wer an das gebunden ist, was er damit tut. Für die Governance-Frage ist es damit eine Voraussetzung und keine Antwort. Ein Unternehmen, das MCP anbindet, hat seine Systeme erreichbar gemacht und die Frage nach den Grenzen dieser Erreichbarkeit noch vor sich.
A2A, Agent2Agent
Ein von Google eingeführtes Protokoll für die Delegation einer Aufgabe von einem Agenten an einen anderen. Es beschreibt den Übergabepunkt in einer Kette, an dem eine Berechtigung weitergereicht wird, und ist damit die technische Entsprechung eines Glieds der Delegationskette. Genau an solchen Übergabepunkten entscheidet sich, ob eine Kette im Streitfall nachvollziehbar bleibt. Ein Protokoll, das die Übergabe regelt, macht sie technisch möglich; ob sie dokumentiert ist, bleibt eine Frage der Konfiguration.
ACP, Agentic Commerce Protocol
Ein von OpenAI und Stripe unter Apache 2.0 veröffentlichtes Protokoll für Produktdaten, Checkout-Sitzung und delegierte Zahlung. Es trug OpenAIs Instant Checkout, das 2026 eingestellt und in Richtung Discovery neu ausgerichtet wurde. Der Verlauf ist für Anbieter lehrreich: Die Protokollschicht bewegt sich schneller als die Systeme, die daran angeschlossen werden. Wer seine Datenhaltung an ein einzelnes Protokoll bindet, übernimmt dessen Lebensdauer als eigenes Risiko.
UCP, Universal Commerce Protocol
Ein von Google gemeinsam mit Shopify entwickelter offener Standard über die gesamte Einkaufsstrecke, vorgestellt im Januar 2026 und kompatibel mit A2A, AP2 und MCP. Bemerkenswert für die Zurechnungsfrage: Jede Autorisierung ist mit einem kryptografischen Nachweis der Zustimmung des Nutzers hinterlegt. Damit wird das, was der Nutzer konfiguriert hat, zu einer dokumentierten Tatsache statt zu einer Behauptung, über die im Streitfall gestritten wird. Das ist die technische Form des Mandats, das die Delegationskette beschreibt.
AP2, Agent Payments Protocol
Ein von Google eingeführtes Protokoll für die Zahlungsseite agentischer Transaktionen. Es ergänzt die Aufgaben- und Datenprotokolle um den Teil, an dem Geld fließt, und ist mit dem Universal Commerce Protocol kompatibel. Die Zahlung ist dabei die Stelle, an der die Delegationskette auf das europäische Zahlungsrecht trifft, und damit die Stelle, an der aus einer technischen Frage eine Haftungsfrage wird. Wer hier delegiert, delegiert nicht nur eine Aufgabe, sondern eine Verfügung.
GEO, Generative Engine Optimization
Der Begriff, den der Markt für die Sichtbarkeit innerhalb von KI-Systemen gefunden hat. Er ist nützlich, weil er die Frage von der Suchmaschine löst, und irreführend, wenn er als Textdisziplin verstanden wird. Entscheidend ist nicht, wie eine Seite für ein Modell formuliert ist, sondern ob die Produktdaten darunter die Attribute tragen, die eine Maschine für eine Empfehlung braucht. Die sichtbare Seite und das maschinenlesbare Produkt sind zwei verschiedene Anlagegüter, und in den meisten Unternehmen wird nur eines davon gepflegt.
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